Sind unsere Kinder zu behütet… Artikel aus Focus online! BRAVO!!!

Helikopter-Eltern waren nur der Anfang: Jetzt sind die Kampfhubschrauber-Mütter im Anflug. Doch was wird aus deren überbehüteten Kindern? Eine 3sat-Dokumentation über die „Generation Weichei“ klärt auf.

Sie hörten Mozart im Mutterleib, hatten Ballettstunden, bevor sie laufen konnten, und Chinesisch-Unterricht vor ihrem ersten gelallten Wort. Mit zwei fuhren sie Ski, den Rückenprotektor direkt über der Pampers, und niemals durften sie auf einen Baum klettern, der höher war als sie selbst. Von der ersten bis zur zwölften Klasse fuhr Mami sie mit dem Auto direkt vor die Schultür, und natürlich ließen die Eltern nicht eine einzige Schulsprechstunde aus. Fielen die Noten anders aus als erwartet, winkte der Vater mit dem Rechtsschutzbrief.

Meine Villa, mein Auto, mein Premium-Kind

Willkommen in der Welt der „Portfolio-Kinder“. In sie fließt alles, was Eltern geben können an Zeit, Geld, Engagement. Sie sind schon vor ihrer Geburt ein Großprojekt, das es bestmöglich zu überwachen und zu managen gilt. Auf dass sie sich irgendwann einmal auszahlen, die Investitionen in Klavierstunde, Kindergeburtstagswahnsinn und Privat-Kita.

Detailliert breitet die 3sat-Doku „Generation Weichei“ aus, was Eltern alles auf die Beine stellen in der felsenfesten Überzeugung, ihrem Goldkind damit ein Premium-Leben zu sichern. Von Kindern, getaktet wie Manager, spricht Deutschlands Oberlehrer Josef Kraus, Autor des Buches „Helikopter-Eltern“. Und von Erziehungsberechtigten, die schon 90 Minuten nach der Rückgabe einer Probe an die Tür hämmern. Nicht an der des Lehrers, sondern gleich an der des Rektors.

Viele der Doku-Beispiele sind aus dem Ausland, aus Großbritannien, USA und Kanada. Was aber nur beweist, dass Helikopter-Eltern längst ein Phänomen vieler Erst-Welt-Länder sind. Ihr Motor wird angetrieben durch Angst: Furcht davor, dass den Kleinen etwas passiert – und gleichzeitig der Sorge, dass sie auf der Strecke bleiben im Verteilungskampf um die besten Schulen, Jobs, Einkommen.

Gehaltsgespräch? Führt die Mutti

Soweit gut und bekannt. Doch was wird aus Kindern, denen die „Curling-Mum“ von Tag Null an jeden Stein aus dem Weg gekehrt hat? Hier wird die Doku erst richtig interessant. Wir sehen Eltern, die zu Uni-Informationsabenden gehen, die ihrem Sohn beim Auszug ins Studentenwohnheim erst den Koffer packen und ihm dann beim Einrichten helfen. Arbeitgeber sprechen bereits von Eltern, die beim Vorstellungsgespräch dabei sind, dem Kind die Grünpflanze auf den Schreibtisch stellen, sich allen Kollegen vorstellen und dann mit dem Chef ums Gehalt feilschen. Das Leben ist ein Laufstall, aus dem es kein Entkommen gibt.

Und wie geht es den Kindern damit? Die „Generation Weichei“ hat nie gelernt, sich ohne Mamis Rückendeckung durchs Leben zu boxen. Sie sitzen an der Uni im Stuhlkreis und lernen, den elterlichen Druck wegzuatmen. „Hinter jedem Lob der Eltern stecke doch nur die Erwartung, dass man diese Leistung wiederholt“, klagt einer.

Arbeitgeber klagen, die „Generation Y“ – euphemistisch für „Weichei“ – habe längst keinen Biss mehr. Sie seien allesamt „fordernd, verwöhnt und weltfremd“. Zu Meetings kommen sie zu spät und in Flip-Flops, und dass man seine Arbeitszeit nicht mit dem Schreiben von SMS vertändeln darf, wollen sie auch nicht so recht einsehen.

Generation Macher?

Adrienne, 28, zum Beispiel: Top-Noten, Spitzen-Universitäts-Abschluss. Dann vier gut dotierte Jobs, die sie immer wieder hinschmeißt, weil irgendwelche Petitessen ihr nicht passten. Sie macht sich selbstständig, nimmt einen Riesenkredit auf – und ist nun insolvent. Ihr bisschen Restgeld gibt sie allerdings weiter aus für teuren Coffee-to-go, Wein, Pediküre, „man muss sich ja auch was Gutes gönnen“. Und weiterhin glaubt sie fest daran: „Wir von der Generation Y sind Macher.“

Die Doku macht traurig: Kinder ohne echte Kindheit wachsen heran zu nicht erwachsenen Erwachsenen. Weil die Eltern, deren ureigener Job es war, Unabhängigkeit zu schaffen, ihren Nachwuchs in ewiger Abhängigkeit halten. Dabei, sagt Pädagoge Kraus, sei es doch so einfach: Eltern müssen ihren Kindern nur Freiraum geben. Ihnen ein Vorbild sein in Sachen Gesprächskultur und Medienkonsum. Ihnen Selbstständigkeit zutrauen. Und dann noch regelmäßig rausgehen mit den Gören in die Natur. Mehr ist nicht nötig.  

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